Der zweifache Auftrag Gottes

12.08.2023

An manchen Tagen werden wir von negativen Schlagzeilen geradezu eingedeckt. Neben anderem sind darunter Berichte zum Klimawandel und manchmal auch zum Rückgang der Gläubigenzahlen in den christlichen Kirchen zu finden. Können wir als einzelne hier überhaupt etwas tun, liegt das nicht außerhalb unserer Möglichkeiten? Haben wir hier überhaupt einen Auftrag, dem wir gerecht werden sollten?

Im Schöpfungsbericht der Bibel (1.Mose 1,31) lesen wir von Gottes Sicht auf diese seine Schöpfung, von der wir ein Teil sein dürfen: «Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.» Gott liebt also die gesamte Schöpfung und er hat sie uns als unser Lebensumfeld anvertraut. Im 1. Buch Mose, im Vers 28, finden wir den entsprechenden Auftrag Gottes an uns Menschen: «Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.»

Ein erster Auftrag Gottes, der richtig verstanden werden will. Hier geht es nicht um Unterwerfung und Ausbeutung, um Raubbau und Zerstörung. Die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung zeigt uns die Richtung. Bewahrung und Obsorge, Pflege und Verantwortung sind jene Merkmale, welche diesem Auftrag entsprechen. Und es ist ein Auftrag, den Gott an die Menschen richtet – an alle, auch an dich und mich. 

 

Wenn wir in der Bibel weiterblättern, vom Alten ins Neue Testament wechseln, begegnet uns im Missionsbefehl Jesu (Matthäus 28,19-20) an seine Jünger ein zweiter Auftrag Gottes: «Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.»

Auch dieser Auftrag spricht nicht von Diktat und Zwang, sondern er hat die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und im Speziellen zu uns als Menschen, zu dir und mir, vor Augen.

Auch hier dürfen wir uns nicht zurücklehnen in der falschen Ansicht, dies galt und gelte lediglich den Aposteln, den Kirchenleitungen, das liege außerhalb unserer Möglichkeiten. Ebenso wenig wie es gilt, dass die Bewahrung der Schöpfung bloß Aufgabe der Regierungen und großer Organisationen bzw. einzelner Gruppierungen sei.

 

Auch du und ich sind aufgerufen, diesem zweifachen Auftrag Gottes nachzufolgen und ihn in unserem Leben und unserem persönlichen Umfeld umzusetzen. Nicht mit Zwang und Gewalt, sondern in der Liebe Gottes, welche seine Schöpfung prägt. Wir sind gefordert, im Geiste der Liebe Gottes das einzubringen und umzusetzen, was unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht. 

Gott blickt bei seinem zweifachen Auftrag an dich und mich nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität. Jesus hat dies in einem anderen Zusammenhang deutlich gemacht, als er vom Scherflein der Witwe sprach (Markus 12,41-44) und darauf hinwies, dass dieser eine Heller, welchen die Witwe opferte, vordergründig vielleicht gering sei, doch für ihre Lebensumstände mehr sei, als alle anderen gaben. Dieses Beispiel zeigt, wie sehr Gott auch dir und mir zutraut, in seinen Augen viel zu tun. Die Kraft und den Mut dazu dürfen wir aus dem Versprechen Jesu schöpfen, welches er seinen Jüngern am Ende seines Auftrags gibt: «Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.»