…nicht mehr meine Kirche!

23.05.2023

«Veränderung ist die einzige Konstante im Leben» – soll der Philosoph Heraklit von Ephesos vor 1.500 Jahren gesagt haben. Und tatsächlich ist vieles, was wir erleben, stetiger Veränderung unterworfen. Überall begegnet uns der Wandel - in unserem Leben, in unserer Gesellschaft und auch in unserer Kirche.

In meiner Kindheit sangen wir beispielsweise aus Gesangbüchern mit altdeutscher Frakturschrift, verwendeten die Lutherübersetzung von 1912 und lernten die neuapostolischen Glaubensgrundlagen aus dem Büchlein «Fragen und Antworten». Nichts davon ist heute mehr aktuell.
Wenn für uns Menschen etwas neu ist, haben wir keine Erfahrungswerte und keine Gewohnheiten – daher fühlt es sich schnell fremd und unsicher an. Wir glauben, wenn alles beim Alten geblieben wäre, hätten wir es einfacher gehabt. Auch in der Lehre der Neuapostolischen Kirche hat sich manches geändert oder wurde überhaupt erstmals definiert und verschriftlicht. Einiges, was früher stark betont wurde, hört man heute kaum noch, anderes scheint in den Vordergrund getreten zu sein. Wo nicht miteinander über diese Veränderungen gesprochen wird oder keine Gelegenheiten zum Ausdruck von Unsicherheiten, Bedenken und Irritationen gegeben sind, kann sich rasch ein Gefühl von Heimatlosigkeit einschleichen oder sogar Ärger ausbreiten.


Von derart betroffenen Glaubensgeschwistern habe ich schon mehrfach den Satz gehört: «Das ist nicht mehr meine Kirche!» Manchmal möchte ich darauf gern antworten: «Gut so.» Denn hier liegt natürlich ein Trugschluss vor. Die Kirche ist ja nicht die Kirche von Herrn oder Frau So und So. Sie gehört auch nicht den Aposteln. Sie ist einzig und allein die Kirche des Herrn, die Kirche Christi. Das hat er selbst unmissverständlich deutlich gemacht, als er zu Petrus sagte: «…auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.»


«Meine Kirche» sagt Jesus. Wenn wir darüber nachdenken, verändert sich unsere Perspektive und es ergeben sich neue Fragen. Was ist Jesus ist seiner Kirche wichtig? Würde er sich in seiner Kirche wohlfühlen? Wie geht er mit Veränderungen um? Darf es überhaupt darum gehen, was wir für richtig in seiner Kirche halten?
Ich glaube, dass wir nur miteinander und in der Verbindung mit dem Herrn der Kirche die Antworten auf diese Fragen erahnen können. Aber ich bin auch überzeugt, dass Jesus sich Zeit nehmen würde, um mit denen zu sprechen, die sich in SEINER Kirche nicht (mehr) wohl oder nicht willkommen fühlen. Denn er möchte jedem Menschen diesen Schutzraum öffnen, den selbst die Tore der Unterwelt nicht überwinden können. Er möchte, dass wir bei ihm Heimat finden. Wir sollten uns daher Zeit und Achtsamkeit nehmen, um miteinander über seine Kirche ins Gespräch zu kommen. Wenn wir das in seinem Namen tun, ist Er auch dabei.

Matthias Pfützner