Neuer Gemeindevorsteher und Rubinhochzeit in Vöcklabruck

26.07.2026

Am Sonntag, 26. Juli 2026, besuchte Apostel Matthias Pfützner die neuapostolische Kirchengemeinde Vöcklabruck. Im Mittelpunkt standen die Ruhesetzung von Evangelist Walter Pechhacker nach 30 Jahren Vorsteherdienst, die Beauftragung seines Nachfolgers Priester Kurt Garstenauer sowie der Segen zur Rubinhochzeit von Sabine und Walter Pechhacker.

Augen auf für Jesus
Grundlage war Johannes 1,26b: „Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt." Der Täufer spricht diese Worte zu den Jerusalemer Experten — religiöse Behörden, die 50 km zu Fuß an den Jordan kamen, um den Mann am Rand zu prüfen. Und übersahen denjenigen, der in ihrer Mitte stand.

Der Apostel machte deutlich: Das war nicht zufällig. Gott lässt sich nicht in den Zentren religiöser Macht finden, sondern an den Rändern, im Alltag des Lebens. Und die Tragödie dieser Experten war diese: Sie suchten den Messias — mit richtigem theologischem Wissen, mit der richtigen Erwartung des verborgenen Messias. Aber sie erkannten ihn nicht, weil Jesus nicht unbekannt war. Er lebte 30 Jahre im Land. Alle kannten sein Gesicht, seine Familie, seinen Beruf (Joh 6,42). Das Vertraute wurde zum Versteck Gottes.


Das Mysterium der Erkenntnis
Darin liegt die wahre Pointe: Bekanntheit ist nicht Erkenntnis. Man kann alles über Jesus wissen und ihn nicht kennen. Gott bleibt Mysterium unter uns.
Selbst der Täufer — der größte unter den Propheten — bekannte: „Ich kannte ihn nicht" (Joh 1,31.33). Bis Gott es ihm zeigte. Das bedeutet: Gotteserkenntnis ist keine menschliche Leistung der Frommen. Sie ist Gnade. Wenn du Gott nicht siehst, ist das keine Schuld und kein Defekt. Die Gabe hat ihre Stunde, die wir nicht erzwingen können.


Die 30 verborgenen Jahre
Der Apostel deutete auf die Tiefenschicht dieses Textes: Jesus lebte etwa 30 Jahre, bevor irgendjemand ihn erkannte. 90 Prozent seines irdischen Lebens in Verborgenheit — Werkstatt, Familie, Alltag in Nazareth. Gott heiligte das Unspektakuläre.

Und genau hier öffnete sich ein stiller Bogen: Evangelist Pechhacker hatte 30 Jahre Vorsteherdienst in Vöcklabruck geleistet — unzählige Gottesdienste, Konfirmandenstunden, Krankenbesuche, von denen kaum einer je öffentlich wurde. In dieser stillen, unscheinbaren Treue stand Christus mitten unter der Gemeinde.


Der Auferstandene bleibt verborgen
Der Apostel erinnerte daran, dass der Auferstandene dieses Muster fortsetzt: Maria Magdalena hält ihn für den Gärtner; die Jünger gehen neben ihm her und erkennen ihn nicht; am See Tiberias wissen sie nicht, dass er es ist. Erkannt wird er in der Anrede mit Namen, beim Brechen des Brotes, im Mahl — Momente, in denen die Augen aufgehen.

So rief der Apostel die Gemeinde zu: Augen auf für Jesus! Nicht fragen „Wo bleibt Gott?", sondern „Wo stehe ich, dass ich ihn nicht sehe?" Er ist längst eingetreten.
Evangelist Pechhacker griff diesen Ruf in seinem letzten Predigtbeitrag als aktiver Amtsträger mit einem berührenden Bild auf: Sein Enkel verstecke sich beim Versteckspiel immer so, dass der Opa wisse, wo er ist — er wolle ja gefunden werden. Genauso sei es mit Jesus: Er verbirgt sich nie so, dass man ihn nicht finden könnte. Er will gefunden werden und lässt sich finden.


Die Ruhesetzung: Loslassen
Nach der Predigt versetzte der Apostel Evangelist Pechhacker in den Ruhestand. Er würdigte ihn in einem Dreiklang: als empathischen Seelsorger, als beliebten Konfirmandenlehrer und als engagierten Ökumeniker — eine Aufgabe, die Pechhacker auch im Ruhestand weiter wahrnehmen wird. Dankbar erinnerte der Apostel zudem an dessen langjähriges Wirken in Tschechien, wo bis heute ein Teil von Pechhackers Herzen geblieben ist.

Der Apostel deutete die Ruhesetzung als Loslassen: Der Vorsteher tritt zurück, damit deutlich wird, dass der in der Mitte bleibt, nicht der Amtsträger. Pechhackers Abschlusswort war Lukas 17,10 — der unnütze Arbeiter, der nur seine Pflicht getan hat. Darauf antwortet die Schrift mit 1. Korinther 15,10: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin — und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen." Dies galt auch für das verborgene Wirken in Tschechien: Die Gnade war nicht vergeblich, auch wo wir die Frucht nicht mehr sehen.


Die Beauftragung: Jesus nachfolgen
Zum neuen Gemeindevorsteher beauftragte der Apostel Priester Kurt Garstenauer. Als Leitwort gab er ihm Psalm 37,5: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen."

Dabei griff der Apostel drei Worte auf, die der neue Vorsteher selbst im Blick auf seine Aufgabe geäußert hatte: Ehrfurcht, Demut und Vorfreude — Ehrfurcht vor der Aufgabe, Demut vor Gott und Vorfreude auf alles, was kommt. Es gehe nicht darum, in die Fußstapfen des Vorgängers zu treten — diese sind nicht zu füllen. Es gehe darum, mit Jesus nachzufolgen. Der Herr selbst werde führen.


Der Segen zur Rubinhochzeit
Anschließend spendete der Apostel dem Ehepaar Sabine und Walter Pechhacker den Segen zu ihrer Rubinhochzeit. Dazu las er 5. Mose 2,7 vor: „Vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott, bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt."

Vierzig Jahre gemeinsamen Weges — nicht nur Freude, sondern auch Wüstenstrecken, Anfechtungen, Zeiten, in denen die Familie auf manches verzichtet habe. Und doch: An nichts Mangel gehabt. Denn ER war immer dabei. Der Segen galt nicht einem Ehepaar ohne Krisen, sondern zweien, die merkten, dass Gott sie trug.


Gemeinschaft und Dankbarkeit
Im Anschluss versammelten sich alle zu einem gemeinsamen Essen auf dem Kirchengrund — Ausdruck der Dankbarkeit für 30 Jahre treuen Dienstes, des Vertrauens auf Gottes weitere Führung und der Gewissheit: Christus bleibt mitten unter seiner Gemeinde, wenn sie nur Augen hat zu sehen.