Im Mittelpunkt stand die Frage, wie christliche Gemeinden inmitten von Spannungen, Erwartungen und innerer Unruhe geistlich klar bleiben können. Einen besonderen Charakter bekam dieser Gottesdienst durch die Ordination von Diakonin Sandra Fürtbauer ins Priesteramt und die begleitenden Ausführungen des Apostels dazu.
Der Predigt lag der Bibeltext zugrunde:
„Flieh die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“ (2. Tim. 2,22)
Apostel Pfützner machte deutlich, dass Paulus diese Worte in eine konkrete Situation von Streit, Ehrsucht und Unruhe innerhalb der Gemeinde hineinspricht. Das „Rezept“ des großen Apostels an seinen jüngeren Mitarbeiter lasse sich in drei Bewegungen zusammenfassen:
Flucht – Nachjagen – Gemeinschaft.
Dabei gehe es bei den „jugendlichen Begierden“ um weit mehr als moralische Verfehlungen. Gemeint seien innere Kräfte, die Menschen antreiben und verengen können, die man auch als „unreif“ bezeichnen könne: Geltungsdrang, Rechthaberei, Impulsivität, Ungeduld, Idealisierung oder die Überforderung anderer und seiner selbst. Nicht alles, was sich stark und überzeugend anfühlt, sei deshalb auch gut. Manches müsse man nicht geistlich aushalten oder rechtfertigen, sondern bewusst verlassen.
Dem stellt Paulus eine andere Bewegung entgegen: nicht nur etwas vermeiden, sondern dem Guten aktiv nachjagen – der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe und dem Frieden. Diese Begriffe seien keine abstrakten Tugenden, sondern gelebte Beziehungsqualitäten. Christlicher Glaube bedeute deshalb nicht zuerst Verzicht, sondern bewusste Ausrichtung auf Christus.
Besonders betonte der Apostel, dass Glaube kein Soloprojekt sei. Reinheit entstehe nicht durch Isolation, sondern durch gemeinsames Rufen zu Gott. Wo Menschen sich gemeinsam auf Christus ausrichten, könne unter Gottes Führung ein Richtungswechsel geschehen: vom inneren Chaos hin zu Klarheit, Frieden und tragfähiger Gemeinschaft.
Im Predigtbeitrag des Jugendpriesters Kevin Krückl, der den Apostel auf seiner Wochenendreise begleitete, wurde hervorgehoben, dass niemand vollkommen sein müsse, um zu Christus zu kommen. Jesus begegne dem Menschen nicht zuerst über seine Schwächen, sondern über seine Würde und seine Berufung.
Auch Bezirksältester Christoph Egger griff diesen Gedanken auf. Anhand der Begegnung Jesu mit Zachäus zeigte er, dass Christus gerade jene sucht, die übersehen oder abgelehnt werden. Gottes Stimme sei oft leise, aber berührend und richtungsweisend.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Gottesdienstes stand die Ordination von Sandra Fürtbauer zur Priesterin. Apostel Pfützner sprach dabei überraschend direkt und ausführlich über Herausforderungen und Versuchungen geistlichen Dienstes. Geistliche würden immer wieder Situationen erleben, in denen sie sich Erwartungen, Rollenbildern oder geistlichem Druck entziehen müssten. Die Gefahr bestehe darin, schneller reif erscheinen zu wollen, als man es vor Gott tatsächlich sei. Nicht alles, was scheinbar „das Amt“ verlange, komme deshalb wirklich von Gott. Der Apostel betonte, dass geistlicher Dienst kein bloßes Verwalten sei, sondern ein ständiges Suchen nach dem, was Gott jetzt will – konkret, situativ und manchmal auch gegen den Trend oder die Tradition. Deshalb gelte auch für Geistliche: fliehen vor dem, was innerlich antreibt und verengt, und bewusst dem nachjagen, was Christus entspricht.
Mit besonderem Ernst sprach Apostel Pfützner über die Heiligkeit des Priesteramtes. Unter Bezug auf 3. Mose 21 und 22 erinnerte er daran, dass Priester Anteil an Gottes Heiligkeit haben und diese Heiligkeit durch ihren Wandel sichtbar machen sollen. Wo Geistliche durch Worte oder Verhalten dieser Heiligkeit widersprechen, werde nicht nur das Amt beschädigt, sondern die Heiligkeit Gottes selbst missachtet. Die neue Priesterin wurde deshalb ermutigt, ihren Dienst bewusst als Zeichen göttlicher Heiligkeit zu leben – nicht aus eigener Vollkommenheit, sondern aus der Nähe zu Christus.
Mit Verweis auf 2. Timotheus 1 wurde außerdem hervorgehoben, dass Herkunft und Lebensweg nicht Last, sondern Schatz und Gabe Gottes sein können. Gott gebe nicht Geist der Furcht, sondern Kraft, Liebe und Besonnenheit. Geistlicher Dienst gründe letztlich nicht auf menschlicher Leistung, sondern auf Gottes Berufung, seinem Ratschluss und seiner Gnade.
So führte der Gottesdienst zu einer klaren Einladung: weg von dem, was innerlich treibt und verengt – hin zu Christus, der Menschen sammelt, ausrichtet und in tragfähige Gemeinschaft führt.