Mit dem Bibeltext aus Lukas 4,16 eröffnete Apostel Pfützner den Gottesdienst in Reutte, der ganz im Zeichen des Übergangs stand: Das Kirchenjahr endet und ein neues Kapitel beginnt. Mit diesem Neuanfang, so führte der Apostel aus, liege ein besonderer Zauber in der Luft – jener stille Reiz des ersten Mals, der ersten Berührung. Und doch schwinge zugleich Unsicherheit mit: Wie gehen wir in diese Zeit hinein, ohne gleich hastig in den Advent zu stürzen?
Der Apostel stellte eine persönliche Frage an die Gottesdienstteilnehmenden: "Hast du einen Wunschzettel an Gott? Was trägst du im Herzen, das du ihm sagen möchtest?" Wer diese Frage zulässt, der kann den Zauber der Adventszeit neu entdecken und den Stress zurückdrängen, der sich so leicht einschleicht. Ein zentrales Thema war die Gefahr der Gewohnheit. Gehen wir in den Gottesdienst, ins Gespräch mit Gott, in die adventliche Zeit einfach aus Routine? Oder schaffen wir Gelegenheiten, echte Momente der Begegnung mit Gott – im Wort, in den Sakramenten, in der Stille? Der Apostel rief dazu auf, Rituale zu pflegen, die die Tür zum Herz öffnen. Wo Routine erstarrt, solle wieder Leben einziehen. Aus Gewohnheiten können heilige Gelegenheiten werden. Ein einziger Satz Jesu Christi – „Heute ist dieses Wort erfüllt“ (Jesaja 61, 1) – verwandelte zur damaligen Zeit eine Gewohnheit in einen göttlichen Augenblick. Im Advent, so wurden die Teilnehmenden ermutigt, lohnt es sich zu fragen: "Welche meiner Gewohnheiten braucht eine Erneuerung?"
Der Vorsteher der Kirchengemeinde Reutte griff das Thema in seinem Predigtbeitrag auf: Aus Gewohnheiten sollen Gelegenheiten werden – wie beim Wichteln, wenn Kinderaugen leuchten. So sollten auch wir die Freude spüren, dass Jesus kommt. Nicht nur an Weihnachten, sondern immer. Er bleibt, er wohnt in uns. Es gelte, dies bewusst wahrzunehmen. Der Vorsteher der Kirchengemeinde Telfs führte diesen Gedanken weiter: Wie ein Wichtel, der das ganze Jahr wartet und sich freut, wenn man ihn entdeckt, so freut sich Christus über jeden Menschen. Jesus dürfe nicht zur Gewohnheit werden – sondern zum Mittelpunkt des ganzen Jahres.
Am Ende führte der Apostel noch einmal alles zusammen: Jesus selbst pflegte heilige Gewohnheiten. Welche Rituale pflegen wir? Welche brauchen neue Lebendigkeit? Was tun wir täglich, um uns wirklich mit Gott zu beschäftigen? Begeistern wir andere für den Weg mit Christus? Denn die persönliche Berührung mit Gott ist die frohe Botschaft, die immer wieder neu in unser Herz fällt.
In diesem Gottesdienst wurde das Sakrament des Heiligen Abendmahls gefeiert und der Apostel spendete das Sakrament der Heiligen Versiegelung (Geistestaufe). Die Freude der versammelten Gemeinde war deutlich sichtbar und spürbar.
„Du bist es, auf den wir warten.“ Mit diesem Gedanken klang der Gottesdienst aus – als Einladung, den Advent bewusst zu leben und in jedem Moment die Gelegenheit zu sehen, Christus zu begegnen.